Ausgabe - Januar 2026: HATTENhat. im Gespräch mit Martin McWilliam
- HATTENhat. Redaktion
- vor 6 Tagen
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Aktualisiert: vor 6 Tagen


Wenn wir an Menschen denken, die Kunst nicht nur schaffen, sondern leben, dann gehört Martin McWilliam ohne Zweifel dazu. Der Keramikkünstler, der seit Jahrzehnten in Sandhatten seine Werkstatt hat, ist weit mehr als ein international gefragter Gestalter von keramischen Objekten – er ist Sinnsucher, Lehrer, Tänzer und ein Freund der Gemeinschaft.
Martin wurde 1957 in Kapstadt geboren und wuchs in England auf, bevor er seine künstlerische Ausbildung an der Bournemouth Art School und im Dartington-Pottery-Workshop abschloss. Die folgenden Jahre führten ihn durch Werkstätten in Europa und Japan, wo er die Holzbrandtechnik und die Zen-ästhetik keramischer Traditionen vertiefte. Seit 1983 lebt und arbeitet er in Norddeutschland, wo seine Arbeiten in öffentlichen Sammlungen und Museen im In- und Ausland gezeigt werden.

Bei HATTENhat. gehört Martin seit dem 15.02.2025 zur Gruppe Persönlichkeiten und Gemeinschafts-Helden – Menschen, deren Leben und Schaffen unsere Region prägen und begeistern.
Unser persönlicher Kontakt begann jedoch schon im Sommer 2022, als Martin mit seiner Tanzgruppe beim Event Hatten hat Spaß auftrat. Ein Nachmittag voller Bewegung, Freude und gemeinsamer Energie – und ein Moment, der uns zeigte: Kunst und Gemeinschaft gehören zusammen.
Martin ist nicht nur ein Meister der Keramik, sondern auch ein leidenschaftlicher Tänzer im Scottish Country Dancing – eine Form, die spielerisch Bewegung, Tradition und Gemeinschaftsgeist verbindet. Diese Vielseitigkeit macht ihn zu einem besonderen Teil unserer Gemeinde und zu einem inspirierenden Gesprächspartner.
In dieser Ausgabe von HATTENhat. im Gespräch möchten wir mehr über Martins künstlerischen Weg, seine Inspirationsquellen, das Leben im Dorf, sein Tanzen und seine Sicht auf die Zukunft erfahren.
„Kunst ist nicht das, was man sieht – sondern das, was man andere
fühlen lässt.“
Sehen wir mal, was Martin uns anvertraut:

HATTENhat. : Martin, du hast in großen Metropolen gelebt, gelernt und gearbeitet – in England, in Japan, an Orten voller Tempo, Kunst und Reizüberflutung. Heute lebst du in Sandhatten, einem Dorf mit rund 1.050 Einwohnern. Wie war dieser Wechsel für dich, und was hat dir dieses Leben im Kleinen gegeben, das du in den großen Städten nicht gefunden hast?

Bild: Martin McWilliam
M.M.: Es stimmt, das ich relativ viel unterwegs war mit meiner Arbeit, aber gelebt habe ich meistens ländlich. Mein Herz geht auf eher in natürlichen Berglandschaften.
HATTENhat. : Als wir dein Atelier betreten durften, war es voller Leben: Arbeiten deiner Schüler, Materialien, Werkzeuge und Objekte in unterschiedlichen Stadien. Das erinnerte fast an die Küche eines experimentellen Spitzenkochs. Wie beginnt bei dir ein neuer künstlerischer Prozess – mit Skizzen, mit einer klaren Idee im Kopf oder erst im Dialog mit dem Material?
M.M.: Zum größten Teil während der Arbeit. Die endlosen Möglichkeiten, die offenbaren, das es manchmal schwer ist zu fokussieren.
Aber auch die Reaktionen vom Publikum bewegen etwas. Es hilft, manchmal Entscheidungen zu verstehen, die man selbst nicht nachvollziehen konnte.

Bild: Martin McWilliam
HATTENhat. : : Wir durften dich ja in deinem Garten besuchen und deinen beeindruckenden großen Brennofen erleben. Kannst du uns erzählen, wie viele Tonnen Keramik du dort im Jahr brennst, welche besondere Patina der Holzbrand deinen Arbeiten verleiht – und was dieser Ofen ganz persönlich für dich bedeutet?
Bilder: OSO Media
M.M.: Ich kaufe etwa 1.5 Tonnen Tone. Das sind verschiedene Aufbau-, Dreh-, Steinzeug- und Porzellan-Tone. Der Holzbrennofen prägt die Arbeiten mit einer “natürlichen” Patina die schwer sonst zu erreichen ist. Zusätzlich ist er (ab einer bestimmten Größe) umweltschonend, um Keramik herzustellen.
HATTENhat. : Viele Künstler nennen ihre Partner, ihre Familie oder sogar Tiere als wichtige Muse – man denkt zum Beispiel an Frida Kahlo oder Picasso. Welche Rolle spielt deine Familie in deinem künstlerischen Leben, und wie haben sie deinen Weg begleitet?

M.M.: Meine Familie hat mir die Wurzeln gegeben. Ich weiß nicht, ob ich meine Arbeit so konsequent durchgezogen hätte, ohne diese Bindung.
HATTENhat. : Neben der Keramik ist das Scottish Country Dancing eine große Leidenschaft von dir. Ihr habt im Sommer 2022 bei Hatten hat Spaß getanzt – ein Moment, an den wir uns gerne erinnern. Was gibt dir das Tanzen, und siehst du Parallelen zwischen Bewegung, Rhythmus und deiner Arbeit mit Ton?
M.M.: Nicht unbedingt, eher ein Ausgleich. Damals war meine Arbeit eher im Sitzen, im Stillen. Der gesellige Spaß mit Leuten in Bewegung war einfach schön, dabei konnte ich etwas Heimat erleben.
Bilder: Hatten hat Spaß
HATTENhat. : Du arbeitest seit vielen Jahren auch als Lehrer und Begleiter junger Menschen. Gibt es eine Begegnung oder eine Erfahrung mit Schülern, die dich besonders berührt oder geprägt hat?
M.M.: Die meisten von meinen Azubis sind fast wie ein Teil meiner Familie geworden. Als die Azubi, meine vorletzte Auszubildende, an einem Brand teilnahm, fühlte es sich an, wie eine Enkelin dabei zu haben.
HATTENhat. : Künstlerische Wege verlaufen selten geradlinig. Gab es in deinem Leben eine Krise, einen Zweifel oder eine Entscheidung, bei der du heute sagen würdest: Sie hat alles verändert?
M.M.: Als ich nach meiner Ausbildung und drei Wanderjahren meinen Traum erreichte und einen Platz an der Royal College of Art in London bekam – leider ohne Stipendium -verwandelte er sich in einen Albtraum. Ich verließ London, Keramik war für mich erledigt und ging in eine Art Kloster. Komischerweise gab es dort ein kleine unbenutzte Töpferwerkstatt......
HATTENhat. : Seit vielen Jahren bist du Teil der Gemeinschaft hier in Hatten. Spürst du, dass das ruhige Leben in Sandhatten dein Arbeiten beeinflusst – vielleicht sogar entschleunigt oder vertieft?
M.M.: Absolut, jeden Morgen muss ich erstmal raus – mich bewegen, am liebsten in der Natur, bevor ich in die Werkstatt gehe
HATTENhat. : In einer Zeit, in der viele junge Menschen von Social Media, Influencern und schnellen Trends geprägt sind: Wie kann man deiner Meinung nach junge Generationen für handwerkliche, künstlerische Berufe wie die Keramik begeistern?
M.M.: Eigentlich sind da ziemlich viele junge Leute interessiert an der Keramik Kunst (und andere “Kunst”handwerke). Leider kann sich nach dem neuen Ausbildungsgesetz kaum eine Werkstatt leisten, diese Kulturgüter weiterzugeben!
In der Erwachsenen-Bildung bin ich auch immer tätig gewesen. Die Keramik Abteilung in der Werkschule Oldenburg ist stets ausgebucht, mit Wartelisten!
HATTENhat. : Wenn du nach vorne blickst: was wünschst du dir für die Zukunft, für dich selbst, oder für ein Projekt, eine Idee, welche du zeitlebens mit dir herum getragen hast ?
M.M.: Solange diese Entdeckungsreise spannend bleibt – Kunst und Forschung, Forschung und Ästhetik -
Die Membrane, zwischen den virtuellen Welten und physischen Welten, will geknetet werden 😉
(Virtuell = jeder lebt in seinem kleinen Universum - auch ohne Digital)
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Zum Abschluss möchten wir uns herzlich bei Martin McWilliam bedanken – für seine Zeit, seine Offenheit und dafür, dass er uns nicht nur seine Gedanken, sondern auch sein Atelier, seinen Garten und seinen kreativen Kosmos geöffnet hat. Ein Besuch, der zeigt, wie viel Geduld, Erfahrung und Leidenschaft in jedem einzelnen Werk stecken – und wie eng Kunst, Leben und Gemeinschaft in Sandhatten miteinander verbunden sind.
„Kunst entsteht dort, wo Zeit, Aufmerksamkeit
und Hingabe zusammenkommen.“
Wer beim Lesen Lust bekommen hat, noch tiefer in die vielfältige Kunst- und Kulturlandschaft unserer Gemeinde einzutauchen, dem empfehlen wir einen Blick auf die weiteren Künstlerinnen und Künstler in Hatten. Auf unserer Plattform stellen wir unter anderem den Künstlerkreis Hatten vor, sowie zahlreiche weitere Ateliers, Werkstätten und kreative Persönlichkeiten, die hier leben und arbeiten.
👉 Alle Infos und Entdeckungen findet ihr unter: www.hattenhat.de/kultur-events
Denn Hatten ist nicht nur ein Ort zum Leben – sondern auch ein Ort voller Kunst, Ideen und inspirierender Menschen.
Bleiben Sie dran, für weitere Gespräche, regelmässig am letzten Sonntag des Monats, in unserer Reihe HATTENhat. im Gespräch.
HATTENhat.
Weil wir Hatten leben !
Von Hatten für Hatten
🎥 Interview bei YouTube: https://youtu.be/PMWqyS3pJig
📸 Bilder: Privat - McWilliam & OSO Media


















































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